Food Guilt

Aktualisiert: 15. Jan 2019

Hallo ihr Lieben


Hier eure Sarah! Na, was macht das Herbstwetter so mit euch? Mich macht es ganz Liebe- und Kuschelbedürftig. Ich versuche einfach jeden die ganze Zeit in den Arm zu nehmen. Theaterbesuche, Kinoabende, eine heiße Schokolade... Mhhmmm... Vielleicht noch mit etwas Sahne? Gönn ich mir das heute? Da sind wir allerdings schon beim Thema!

Könnt ihr euch noch an das letzte Mal erinnern, an dem ihr mit Genuss ein Stück Schoki-Torte essen konntet ohne gleichzeitig ein schlechtes Gewissen zu bekommen. „Ach mist, darf ich das heute überhaupt noch? Ich hatte ja schon Nutella zum Frühstück und das deftige Curry zum Mittagessen und überhaupt schaffe ich es heute gar nicht ins Fitti, an den Tagen sollte ich sowieso quasi nichts Süßes essen!“ So Gedanken kreisen mir dann durch den Kopf und ich weiß, auch wenn wir nicht offen darüber sprechen, dass es vielen von euch so geht.


Ich kann mich ehrlich gesagt wirklich nicht mehr an den Tag erinnert habe, an dem ich ohne Bedauern oder zumindest ein bisschen schlechtes Gewsisen ein paar Stücke Schokolade essen konnte. Klar, gibt es Tage, an denen ich mir sage: „Komm Sarah, das gönnst du dir jetzt! Stell dich mal nicht so an! Genieß es!“ Aber, wie man ja schon hört, muss ich mich selber dazu überreden und ganz bleibt die Reue trotz des guten Zuredens nicht.


Es ist immer ein verdrehter Teufelskreis-Tanz zwischen:


Ablehnung – Versuchung – Reue



Ich ernähre mich gesund, treibe Sport und mache mich eher runter wenn ich es nicht schaffe diese strikte gerade Linie des „gesunden Lebens“ einzuhalten. Das „gesunde Leben“ habe ich in Anführungsstriche gesetzt, denn was bedeutet gesund denn eigentlich? Bedeutet gesund jedes Mal Alarm zu schlagen, wenn man etwas ungesundes gegessen hat? Jedes Mal Alarm zu schlagen, wenn man es nicht zum Sport geschafft hat und stattdessen mit Freunden Lasagne essen war.


Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mir früher auf Klassenfahrten die Chips und Gummibärchen reinpfiff, so wie jede/r um mich herum eben. Heutzutage fühlt sich jedes M&M wie eine Giftpille an – jedes gegessene M&M hinterlässt einen bitteren Beigeschmack des Versagens (trotzdem esse ich sie und auch andere ungesunden Dinge.

Es gibt einige Frauen, die eine „richtige“, im besten Fall diagnostizierte Essstörung haben, die man therapieren kann. Aber viel Frauen und bestimmt auch Männer unter uns leiden an einer anderen Form von Essensstörung. Eine Störung die uns dazu treibt zu viel zu essen, zu viele Diäten auszutesten, zu viel zu schwitzen und zu viel Angst vorm Zunehmen zu haben. Wie heißt dieses Phänomen? Essens-Schuldgefühle. Ich habe sie schon seit Jahren und ihr bestimmt oder auch?


Und damit wir aus diesem Teufelskreis ausbrechen können und uns nicht mehr ein Stück Kuchen „gönnen“ können bzw. Mittags nichts essen weil wir wissen, dass wir Abends zu einem Buffet eingeladen sind habe ich uns nun Mal 3 Dinge herausgeschrieben, die du UNBEDINGT lassen solltest. Ich werde mich auch mal daran probieren, denn leichter gesagt als getan ne? Aber ich finde es wichtig, dass wir Frauen es zumindest versuchen aus diesem von der Gesellschaft aufgelegtem Teufelskreis auszubrechen!


1. Hör auf Essen in „gutes“ und „böses“ Essen einzuteilen.

Wir wissen alle was „gutes“ und „böses“ Essen bedeutet oder? Die guten sind meistens grün, haben wenig Fett und Kohlenhydrate und sind sowieso relativ kalorienarm. Ich meine die Smootieh-Bowls, von denen sich die ganzen Insta-Mädels anscheinend nur ernähren. Wenn wir dieses Essen essen fühlen wir uns, als seien wir auf der sicheren Seite. Eine Karotte, ein mini Klecks Hummus. Das fühlt sich korrekt an. Wir wissen, dass wir das „richtige“ essen.



Dann gibt es das das „böse“ Essen. Das Essen bei dem wir uns peinlich berührt fühlen, wenn wir es in der Öffentlichkeit essen. Von denen wir auf keinen Fall zu viel im Einkaufswagen haben wollen, da die anderen uns ja dafür verurteilen könnten. Das Essen von dem wir uns ab und an mal etwas „gönnen“ dürfen, weil es uns nicht gut geht oder weil jemand Geburtstag hat. Das Essen, dem wir dann komplett verfallen, weil wir uns seit 1 Woche nicht erlaubt haben, davon etwas zu essen und nun aber eine Fress-Attacke bekommen haben weil wir es so unbedingt gebraucht haben.


Wir kenne diese zwei Essenskategorien nur zu gut. Was wir dabei nicht beachten ist, dass es einfach super schädlich ist Essen so einfach ein Label zu geben. Denn Essen ist nicht schlecht oder gut. Das arme Essen kann ja nichts dafür ;). Essen ist Essen. Wenn wir Essen in schlechter oder besser einkategorisieren dann kategorisieren wir auch ins in schlechte oder gut Menschen, je nachdem was wir so gegessen haben. Wir lassen die Kalorien, Fette, Zuckeranteile bestimmen ob wir starke oder schwache Menschen sind. Wir richten moralisch über uns, je nachdem was wir so essen. Chia und Goji machen uns nicht so super skinny Heiligen.


Das nächste Mal wenn du also darüber nachdenkst wie viel „böses Zeug“ du dieses Wochenende wieder gegessen hast und zu was das aus dir macht, erinner dich daran, dass Essen KEINEN MORALISCHEN WERT HAT! Dich macht weitaus mehr aus, als das, was du so isst.


2. Du musst den Brunch mit den Mädels nicht „wieder gut machen“!

Essen sollte nichts sein, was du dir gönnen musst oder wofür du irgendeine Vorarbeit oder Verzichte leisten musst. Du solltest auch echt nicht ins Fitti mit der Motivation gehen, dafür dann doch ein Stück Kuchen essen zu „dürfen“. Es ist vollkommen ok an manchen Tagen etwas ungesünder/ mehr zu essen. Das machen alle so! Du wirst dann nicht sofort zunehmen. Du wirst eher zunehmen, wenn du die ganze Zeit in einer Welt von Verboten lebst!


3. Lass dieses Gruppen-Schuldgefühl-Ding.

Mittlerweile bist du dir ja schon bewusst, dass Essen kein Grund für Schuldgefühle sein sollte. Jetzt musst du das ganze nur auf deine Umgebung ausweiten! Letztens stand ich im Café und schaute mir die tollen frisch gebackenen Kuchen und Törtchen in der Vitrine an. Vor mir standen zwei andere Frauen. Eine meinte zur anderen: „Oh, wow, das sieht soooooo lecker aus! Aber ich sollte mir echt kein Stück leisten bei der Pizza und dem Tiramisu beim Italiener gestern.“ Ihre Freundin reagiert direkt drauf: „Ich weiß, ich habe diese Woche auch gegessen wie ein Schwein. Bei mir gibt’s heute erstmal nur Salat.“

Kommt schon Ladies, stachelt euch nicht gegenseitig auf! Was passiert wenn hinter euch ein kleines Mädchen steht und euch belauscht? Sie wird die Worte aufnehmen und wahrscheinlich, weil sie genauso cool sein will, wie die großen Mädchen vor ihr in der Schlange und dann wird auch sie mit diesem Food-Guilt-Trip beginnen. Macht euch das nicht bewusst wie ungesund ist, dass es quasi schon zur Normalität geworden ist mit anderen Frauen über Essen wie DAS GROßE ÜBEL zu sprechen?


Als Frauen ist dieses Gruppenschämen über Essen eines der Hauptthemen über das wir „bonden“. Ist das nicht schlimme? Food-Guilt ist ja schon fast ein Synonym von Frau sein. Kommt schon! Wir haben bessere Themen über die wir sprechen können! Wehrt euch gegen diese Gruppen-Schuldgefühl-Hysterie. Sprecht lieber darüber, was ihr in letzter Zeit so leckeres gegessen habt. Positive Gespräche sind sowieso besser für die Seele und fürs glücklich sein!


Soooooo, jetzt haben wir alle etwas vor!



Ich wiederhole nochmal:

1. Hör auf Essen in „gutes“ und „böses“ Essen einzuteilen.

2. Du musst den Brunch mit den Mädels nicht „wieder gut machen“!

3. Lass dieses Gruppen-Schuldgefühl-Ding.


Kriegen wir das hin???


Ganz bestimmt :) bestimmt nicht immer und bestimmt müssen wir uns anstrengen es durchzusetzen. Es wird Tage geben an denen es besser und schlechter geht, das ist okay und völlig normal. Der Weg ist das Ziel People <3


Hab euch lieb! Habt euch lieb!


Eure Sarah

© Jourvie 2019 | Impressum | Datenschutz

  • Facebook - Grey Circle
  • Instagram - Grey Circle
  • YouTube - Grey Circle
  • Twitter - Grey Circle