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Viele Wege führen zum Ziel Teil 2.

Oder warum man für sein Abitur nicht die Schule besuchen muss

Hallo meine Lieben!

Als kleiner "recap" bzw. WAS LETZTE WOCHE GESCHAH: Unsere liebe Gastbloggerin "Claire" (in Anführungszeichen weil sie eigentlich gar nicht so heißt, denn sie möchte anonym bleiben, wie auch du das bleiben kannst, wenn du einen Blogbeitrag für uns schreibst) hat uns schon vor den Weihnachtsferien mit einem tollen Thema beglückt, welches einige unserer LeserInnen betrifft und zwar dem nachgeholten Schulabschluss oder in ihrem Fall das Abi. Sie hat sich ganz alleine aufgerafft dieses nachzumachen und darauf sollte sie wirklich mega stolz sein. In diesem 2. Teil des Blogs berichtet sie darüber, wie die ersten Schritte zum Abi nachmachen so aussahen. Falls ihr den ersten Teil nochmal nachlesen wollt oder ihn vielleicht noch gar nicht gelesen habt, schaut einmal hier vorbei. Viel Spaß dabei :)

Ah und wir freuen uns natürlich immer über interessante Beiträge zu Themen, die euch bewegen also schreibt mir unter maida.hernandez@jourvie.com und werdet Jourvie-Gastblogger! Außerdem solltet ihr euch unbedingt heute und morgen und sowieso immer unsere Facebookseite und unseren Instagram Account anschauen :) <3.

Viele Wege führen zum Ziel Teil 2.

Nachdem ich ein erstes Gespräch mit den Zuständigen geführt hatte, war es auch schon so weit: Ich war offizielles Mitglied der externen Fremdenprüfungsableger.

Als ich mich das erste Mal in dem Portal einloggte, war ich zuerst einmal überfordert. Ich hatte so viele Kurse zu belegen, so viel Stoff zu bearbeiten und so viele Dinge, gefühlt, gleichzeitig zu erledigen.

Durch großes Glück wurde ich gleich für die kommenden Abiturprüfungen 2018 zugelassen. Da mir, wie anfangs erwähnt, nur einige Monate bis zu meinen schriftlichen Prüfungen gefehlt hatten, war ich damit ein Sonderfall.

Gleichzeitig bedeutete das aber auch mehr Stress. In ein paar Monaten den gesamten abiturrelevanten Stoff zu lernen, für den andere zwei bis drei Jahre Zeit haben. Ich schreibe in 4 Fächern schriftliche Prüfungen und habe zusätzlich noch in 8 Fächern mündliche Prüfungen.

Vor letzteren graut es mir ziemlich, da ich mich zum Großteil um mündliche Beiträge, Referate und Vorträge zu umgehen, für das Fernstudium entschieden habe. Bedingt durch Selbstwertprobleme und Sozialphobie stellen mich solche Aufgaben regelmäßig unter solchen Stress, dass ich mich entweder krankmelde oder nur unter Beruhigungstabletten durchhalte. In der Therapie bin ich aber mit meiner Therapeutin dabei an diesen Problemen zu arbeiten.

Nachdem ich also meinen Schreck über die Stofffülle überwunden hatte, machte ich mich direkt an die Aufgaben. Wie gesagt, ist der Kurs eigentlich auf Teilnehmer ausgelegt, die sich zwei bis drei Jahre Zeit nehmen beziehungsweise zum Beispiel nebenher noch arbeiten. So aber muss ich wirklich sagen, dass man ganz schön zu tun hat. Nur „zu Hause rumsitzen“ ist da nicht.

Klausuren müssen zu jedem Thema eingeschickt und bewertet werden. Natürlich zählen diese nicht gleichwertig, wie Klausuren, die man in der Schule schreibt. Trotzdem ist es nicht Sinn der Sache seine Klausur mit Hilfe des Internets zu bewältigen. Spätestens im Abitur wird man sehen, wer wirklich gelernt hat und wer das ganze doch nicht so ernst genommen hat.

Ich muss also wirklich sagen, jeder, der sich dafür interessiert sein Abi per Fernstudium zu machen, sollte es auch wirklich wollen. Und zwar für sich selbst und nicht, weil andere es so wollen. Denn es braucht doch einiges an Disziplin sich anzutreiben, sich zu motivieren und sich das Wissen im Großteil im Alleingang anzueignen. Natürlich gibt es im Portal auch Lehrer, die als Ansprechpartner bei Fragen bereitstehen, aber im Grunde hat man alles selbst in der Hand. Und auch, wenn es bei mir glücklicherweise der Fall ist, dass ich durch die Selbsteinteilung motivierter bin, fällt es mir oftmals schwer.

Ich wusste zum Beispiel, dass wenn ich das Programm anfange, ich wohl kaum noch Zeit für das Laufen haben werde (wer hier nicht weiß wovon Claire redet, schaut sich am besten nochmal ihren alten Blogbeitrag an) . Ich kann es mir nicht erlauben mehrere Stunden durch die Gegend zu gehen um auf mein Schrittziel zu kommen, während es nur noch Wochen bis zu den Prüfungen sind und es mir in manchen Momenten so vorkommt, als würde die Stoffmenge niemals kleiner werden.

Es ist schwer für mich mit meinem Körper klarzukommen. Zu wissen, dass wenig Zeit für Bewegung übrig bleibt, bedeutet für mich auch, dass stattdessen auf jeden Fall die Ernährung stimmen muss. Tut sie das nicht und ich bekomme beispielsweise einen Fressanfall, falle ich mal wieder in mein schwarzes Loch, meine Depressionen, meine persönliche Hölle. Ich sehe keinen Sinn mehr in allem, ich hasse mich, meinen Körper und habe enorme Angst zu „verfetten“.

In solchen Momenten wünsche ich mir dann einfach nur super dünn zu sein und es lieber in Kauf zu nehmen schlechte Noten zu schreiben. Daran merke ich, wie krank ich eigentlich noch bin.

In solchen Phasen hilft es auch nicht gerade, dass ich weiß, dass meine Eltern für das Programm einen bestimmten monatlichen Betrag zahlen und irgendwie doch schon erwarten, dass ich ein gutes Abi schreibe. In dieser Zeit komme ich mir unbedeutend, leer und schlecht vor. Ich denke wieder einmal, dass ich nur etwas leiste, wenn ich gute Noten habe, funktioniere, diszipliniert bin und es allen recht mache.

Dadurch, dass der soziale Umgang im Vergleich zur normalen Schule fehlt - den ich ja absichtlich umgehen wollte - merke ich außerdem wie auch meine Sozialphobie wieder zugenommen hat. So kriege ich mit hinzukommenden Selbstzweifeln teilweise Herzrasen, wenn ich beispielsweise alleine Bahn fahre.

Ich bilde mir ein, dass alle Aufmerksamkeit auf mich gerichtet ist, jeder mich anstarrt und - als ob es nichts Spannenderes gäbe - mich beobachtet. In diesen Momenten möchte ich mich auflösen, unsichtbar sein und mich verkriechen.

In besseren Zeiten, in denen ich allerdings etwas mehr Selbstvertrauen habe, komme ich mit sozialen Situationen sehr viel besser klar, sodass ich nicht behaupten kann, dass das Fernstudium meine Sozialphobie verschlimmert. Dafür braucht es denke ich schon bestimmte Ereignisse, die für eine solche Phobie auslösend sind.

Auf jeden Fall bin ich trotz allem sehr froh die Möglichkeit zu haben mein Abitur auf diesem Wege nachmachen zu können. Ich kann mir den Stoff so einteilen, wie ich möchte, kann etwas so oft wiederholen, wie ich will, ohne, dass es schon zum nächsten Thema geht. Ich kann auch einmal ausschlafen und die Zeit, die ich morgens nicht genutzt habe einfach an den Nachmittag hängen. Ich habe sozusagen keine festen Termine, Anwesenheitspflichten oder in dem Sinne Stress mich auf Klausuren für ein bestimmtes Datum vorzubereiten.

Das alles ist in meiner persönlichen Situation sehr entlastend.

Ich bin sehr dankbar, auch wenn das ganze kein Zuckerschlecken ist und viel Eigenverantwortung dazu gehört. Ich hätte keine andere Möglichkeit für mich, als diese gesehen und werde mich auch weiterhin durch die Aufs und Abs des Lebens nicht unterkriegen lassen. Genauso wenig wie ihr das tun solltet.

Für jeden gibt es einen Weg und vielleicht habe ich euch ja durch meinen Beitrag auf eine neue Fährte bringen können 😊.

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