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Viele Wege führen zum Ziel Teil 1.

Oder warum man für sein Abitur nicht die Schule besuchen muss

Hallo meine Lieben!

Heute habe ich (Maída vom Jourvie-Team) ein weiteres Mal die Ehre einen Blog unserer famosen ersten Gastbloggerin Claire im Angebot! Sie möchte auch weiterhin anonym bleiben, weshalb ich sie einfach mal Claire ihr Pseudonym ist. Wer sich ihren alten Blog mal durchlesen möchte, bei dem sie sich und ihre Situation vorstellt sollte hier drauf klicken :). Sehr empfehlenswert!

Ich habe Claire darum gebeten, einen weiteren Beitrag für uns zu schreiben, weil sie gerade eine Phase durchmacht, die bestimmt viele betrifft die eine schwierige Phase durchgehen, während der sie nicht in die Schule gehen konnte.

Falls ihr durch Claire inspiriert auch mal einen Gastblog für uns schreiben wollt, meldet euch einfach bei uns unter hello@jourvie.com oder bei einer unserer Bloggerinnen Sarah oder Julia.

„Dass gerade DU dein Abi nicht schaffst, hätte ich ja nie von dir erwartet.“

Solche und ähnliche Aussagen habe ich von meinem Umfeld und vor allem von meiner Familie häufig zu hören bekommen.

Und ja ich habe kurz vor meinen schriftlichen Abiturprüfungen meine Schule sozusagen abgebrochen. Ein Schock, etwas Unvorhergesehenes- teilweise mehr für mein Umfeld, als für mich hatte ich den Eindruck.

„Was soll nur aus ihr werden?“

„Warum hast du dich nicht einfach die letzten paar Monate zusammengerissen?

„Schau dir doch nur an, wer alles sein Abi gemacht hat, das hättest du locker gepackt, dumm bist du doch nicht.“

Nein mit Dummheit hatte das alles weniger zu tun. Im Nachhinein war es das Beste was ich tun konnte.

Abi erst einmal Abi sein zu lassen und erst einmal in eine Klinik zu gehen. Um meine Essstörung, meine Tendenzen zur Depression und Sozialphobie und vor allem meine extremen Selbstwertprobleme behandeln zu lassen.

Natürlich war ich nach der Klinik nicht geheilt.

Leider war es sogar so, dass ich das Gefühl hatte mit meinen Problemen nicht wirklich weiter gekommen zu sein.

Im Rückblick auf dieses Jahr, kann ich aber trotzdem behaupten die Klinikzeit als meine beste Zeit des Jahres bezeichnen zu können. Die Leute und die Erfahrungen, die ich kennen lernen durfte, kann mir schließlich keiner mehr nehmen.

Nachdem ich allerdings wieder aus der wohlbehüteten Klinik draußen war, wusste ich erst einmal gar nichts.

Ich wusste nicht, was ich tun sollte, was ich mit meinem Leben anfangen sollte, sah keinen Weg für mich.

Ich fiel erst einmal wieder in ein Loch.

Ein Glück fand ich sehr schnell eine wundervolle Therapeutin, die mich ernst nahm und bei der ich mich komplett verstanden fühlte. Endlich gab es eine Person, die mich durchschaute, der ich nichts vormachen konnte, die hinter meine Fassade blickte, erkannte was mein wirkliches Problem ist und die mir versuchte zu helfen.

Ich entschied mich vorerst dazu zu arbeiten.

Ich suchte mir speziell Jobs, bei denen ich in extremer Form körperlich beansprucht wurde.

Ich schlief kaum, da ich teilweise um halb vier Uhr morgens aufstehen musste, aß entweder so gut wie nichts oder stopfte mich mit Essen voll. Dazu tägliche acht Stunden Arbeit taten ihr Übriges.

Ich war nicht glücklich und fühlte mich wie eine Maschine, die ausschließlich dem Zweck diente zu funktionieren-damit auch jeder zufrieden war.

Trotzdem waren meine Eltern nicht begeistert mit dem was ich tat.

Sie fanden, dass ich meine Zeit, meine Energie und vor allen Dingen mein Potential verschwendete.

Im Grunde wusste ich selbst, dass ich so nicht mehr weitermachen konnte.

Zu dieser Zeit erschwerte mir außerdem auch noch mein krasser Bewegungszwang das Leben. So kam es, dass ich, wenn ich nicht arbeiten musste, versuchte eine Schrittzahl von mindestens 20.000 Schritte pro Tag zu erzielen. Es war furchtbar.

Ich lief alleine und verbissen stundenlang durch die Gegend und fand keine Ruhe bevor ich mein Schrittziel nicht erreicht hatte.

Mit jedem Tag der verstrich hatte ich das Gefühl meine Eltern würden nur mit mir zufrieden sein, wenn ich mein Abitur schreiben würde.

Dass ich mich zu dieser Zeit halb zu Tode schuftete und, dass die Vorstellung wieder eine Schule besuchen zu müssen für mich die Hölle bedeutete, sahen und verstanden sie schlichtweg nicht.

Dass ich Gründe hatte, warum ich handelte, wie ich handelte war zweitrangig.

Dass ich die Schule nicht abgebrochen hatte um sie zu ärgern, sondern, weil ich so nicht mehr weitermachen konnte, war für sie mehr eine Ausrede, eine Einbildung, die ich mir zusammengesponnen hatte. Genauso wie den ganzen anderen „Psychokram“.

Im Herbst kam dann die Zeit, in der ich selbst immer öfter darüber nachdachte, wie schön es wäre eben doch mein Abi zu haben.

Und nicht aus dem Grund, weil ich wie viele andere Leute in meinem Umfeld dachte ohne Abitur ein Mensch zweiter Klasse zu sein, sondern weil ich wusste, dass ich es unter bestimmten Voraussetzungen schaffen könnte.

Und dann stieß ich auf eine Anzeige im Internet, in der angeboten wurde sein Abi online nachmachen zu können.

Und das war meine Rettung.

Teil 2 folgt nächste Woche ;)

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