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Kennt ihr schon Verena von "allmydeeer"?

Gastbeitrag: Essstörung mal anders.

Hallo meine Lieben! Diese Woche haben wir mal wieder eine Gastbloggerin die selber schon sehr erfolgreich auf social media unterwegs ist. Vielleicht kennt ihr sie ja schon? Verena ist eine Studentin aus München, die auf ihrem Blog ganz tolle Rezepte und Artikel teilt und uns auf Instagram regelmäßig mit tollen Bildern aus ihrem Alltag unterhält (ich habe ein paar der Bilder mal in den heutigen Blog aufgenommen). Aber auch Verena hat als Jugendliche mit verschiedenen Essstörungen Bekanntschaft gemacht und um zu dem Punkt zu gelangen, an dem sie jetzt ist, musste sie hart arbeiten. Besonders beeindruckt bin ich von ihrem coolen Logo :).

Ihr findet Verena übrigens hier auf...

Instagram: www.instagram.com/allmydeeer

Facebook: www.facebook.com/allmydeeer

ihrem Blog: www.allmydeeer.net

So, aber ich lasse sie nun mal selbst erzählen, Vorhang frei für Verena:

Hallo zusammen!

Ich bin Verena und 23 Jahre jung. Schon viele Jahre lang habe ich das Bedürfnis, einen Teil meiner Geschichte zu erzählen. Ich danke Jourvie, mir diese Möglichkeit zu bieten.

Es gibt nicht nur verschiedene Arten und Ursachen von Essstörungen, sondern auch vielschichtige Erscheinungsformen. Trotzdem werden sie meiner Meinung nach noch immer viel zu oft unter einen Kamm geschert.

Mittlerweile habe ich trotzdem oder gerade deshalb ein sehr erfülltes Leben: ich habe im September mein erstes juristisches Staatsexamen geschrieben, lebe in einer glücklichen Beziehung und genieße das Münchner Stadtleben.

Nun ja so idyllisch, märchenhaft ist es natürlich doch nicht! Schon immer, auch während meiner schlimmsten Krankheitsphasen, hatte ich es gut drauf, den äußeren Schein zu wahren! Ich war immer die nette, fleißige, verantwortungsbewusste Schülerin, Freundin, Tochter, Schwester und vor allem Enkelin.

Doch meistens war in mir nichts.

N I C H T S. G A R N I C H T S.

Ein leerer Schmerz durchdrang lange Zeit meinen ganzen Körper.

Angefangen hat es mit 15 Jahren. Nach 3 Jahren Psychotherapie wusste ich schließlich die Ursache, oder besser gesagt einen großen Teil der Ursache meiner Erkrankung. Zu einer Besserung meines Zustands führte diese Erkenntnis aber nicht wirklich.

Ich kämpfte,

zog mit 16 Jahren von Zuhause aus,

zog wieder ein,

zog wieder aus.

Ich kämpfte weiter.

Dann kamen die 2 dunkelsten Jahre meines Lebens. Bis jetzt erlebe ich Flashbacks und muss viele Situationen wieder und wieder durchfühlen. Ja, es kam auch der Punkt, an dem ich einfach keinen Sinn mehr sah.

An diesem Tag ging ich vollständig angezogen unter die Dusche, weil mich so fror und ich keine Kraft verspürte mich auszuziehen. Ich verharrte einen Moment, ich wollte einfach diesen Schmerz nicht mehr fühlen. Dann stand ich auf, machte mich fertig und ging mit meinen Klassenkameraden auf eine Party...

Krass? Ja! So ungeschönt habe ich das noch nie dargestellt, aber das ist die blanke Wahrheit.

Schon so oft habe ich Geschichten (vor allem online) gelesen, die über ihren Krankheitsverlauf berichten: Man rutscht in die Magersucht/Bulimie etc., erfährt eine akute Krankheitsphase mit viel Leid und Schmerz, dann kommt der „Aha Moment“ und dann es wieder bergauf.

Darauf folgen zahlreiche vorher – nachher Bilder am bekannten „throwback thursday“ in den sozialen Netzwerken..

So nicht bei mir.

Der innerste Kern ist meiner Meinung nach bei allen psychosomatischen Krankheiten, ein riesiges Loch, das irgendwie gestopft werden soll.

Ich sehe zum Beispiel meine Ausprägungen der Essstörung als verlängerten Arm der Depression. Hier meine ich jetzt nicht die depressive Verstimmung als Symptom von starkem Untergewicht/ Mangelernährung.

Hier einmal Mini Cashew Tarts aus Verenas Küche:

Mini Cashew Tarts aus Verenas Küche.

Auch wenn ich in meiner ersten akuten Zeit ein sehr niedriges Gewicht hatte, habe ich nie aufgehört zu essen und relativ schnell gemerkt, dass es totaler Quatsch ist, sich so runterzuhungern.

Frühe Einsicht?

Ja vielleicht, aber leider keine frühe Heilung.

Nach meinem ersten Studiensemester entschied ich mich für einen stationären Klinikaufenthalt, 4 Jahre nach Beginn meiner Erkrankung.

Es war keine Klinik im klassischen Sinne, sondern beruhte auf therapeutischen Wohngemeinschaften. Ich bin sehr froh, diesen Schritt gemacht zu haben, jedoch fühlte ich mich dort die meiste Zeit fehl am Platz. Ja ich hatte und schätzte den Austausch mit anderen Betroffenen, aber ich fühlte mich nicht als „klassische“ Essgestörte.

Schon in meiner allerersten Psychotherapie, wurde bei mir eine atypische Magersucht diagnostiziert. Was das genau bedeutet, weiß ich bis heute nicht. Das Wort „Depression“ fiel jedoch nie. Selbst in der Klinik wurde meine Depression erst sehr sehr spät bemerkt und schließlich mit Antidepressiva behandelt.

Bis heute nehme ich Antidepressiva und bin in therapeutischer, sowie psychiatrischer Behandlung. Ich komme damit sehr gut zurecht und meine Lebensqualität hat sich enorm verbessert in den letzten beiden Jahren.

Soweit so gut! Ich hätte mir jedoch viel an Leid ersparen können, wenn ich meine Symptome früher wirklich ernst genommen hätte. Mir war das Thema psychische Erkrankungen jedoch völlig fremd.

Ich wusste einfach nicht was mit mir los ist! Egal was dir fehlt, geh zu verschiedenen Ärzten, so früh wie möglich! Je länger du wartest, desto länger wird der Rattenschwanz, der sich durch dein ganzes weiteres Leben zieht!

Ich wünsche euch nur das beste für eure Gesundheit!!

Eure Verena

Du schreibst auch gerne kleine Texte, bist eine aktive Tagebuchschreiberin oder wolltest einfach schon immer mal deine Geschichte loswerden? Dann melde dich bei uns unter maida.hernandez@jourvie.com und erzähl uns ein wenig von dir :)

Außerdem solltest du unbedingt mal auf unserer Instagram Seite vorbeischauen!

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