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Franzis Geschichte

Von Zuckungen, Stimmen, Halluzinationen und Bulimie.

Herzallerliebste Jourvie-Powertruppe!

Hier eure Sarah :) na geht es euch auch ein wenig kalt, nass, bah herbstig? Hier in Berlin bei uns sind es 11*, es regnet und ich Trulla habe am Freitag beim Fahrrad fahren zu wenig angehabt. Somit hat es mich natürlich gleich erwischt und zwar so richtig: Hallo Blasen- Nierenentzündung! Hattet ihr sowas schonmal? Das ist richtig unangenehm! Ich muss die ganze Zeit aufs Klo, auch Nachts, so dass ich nicht richtig schlafen kann und tagsüber schmerzt meine Seite super.

Wusstet ihr, dass Frauen viel eher Ballenentzündungen bekommen als Männer? Das liegt daran, dass die Harnröhre bei Frauen vier bis fünf Mal kürzer ist als bei Männern und somit Keime schneller in die Blase gelangen. Mal wieder super unfair oder? Warum könnten denn Männer nicht wenigstens dieses „Problem“ haben?

Diese Woche stelle ich euch eine weitere Gastautorin vor und zwar ist das die Franzi. Franzi hat unseren Blog abonniert und hat mich irgendwann kontaktiert um ein wenig über ihre Essstörung zu reden. Sie ist eine ganz tolle junge Frau, die uns durch ihre Geschichte einen neuen Weg in die Essstörung zeigt. Wie ich in meinem Bulimiebeitrag erzählt habe, gibt es viele Wege in den schwarzen Tunnel der Essstörung und viele verschiedene Auslöser die dazu führen können. Bei Franzi war es eine große Anzahl an verschiedener Einflüsse die dazu geführt haben, dass sie sich schließlich Trost in der Bulimie gesucht hat. Aber ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen und lasse sie nun einfach selbst erzählen. Hier noch ihre FB-Seite und ihr Blog „Frannys Welt“ auf denen sie auch regelmäßig tolle Geschichten postet.

So und nun lasse ich euch Franzis kleinen Brief einfach mal selber lesen:

Hallo,

ich heiße Franzi und bin 26 Jahre alt.

Ich fasse meinen Mut zusammen und möchte euch einen Einblick in meinen Leben geben.

Seit fast 5 Jahren leide ich unter mehreren psychischen Erkrankungen.

Angefangen hat alles an einem Abend mit plötzlichem Muskelzuckungen in den Schultern, am nächsten Morgen im rechten Bein.

Freunde von mir fuhren mit mir ins Krankenhaus und somit nahmen neurologische Untersuchungen und viele Krankenhausaufenthalte ihren Lauf.

Die Ärzte fanden nichts neurologisches und kamen zu dem Ergebnis, dass es eine psychische Ursache haben muss. Die Diagnose: dissoziative Bewegungsstörungen.

Die Muskelzuckungen breiteten sich in den 4 Extremitäten aus, sowie im Kopfbereich. Die ersten 10 Monate zuckte ich ununterbrochen. Sprach-und Gehstörungen kamen hinzu.

Durch die Krankheit verlor ich meinen Job als Krankenschwester.

Nach 2,5 Jahren und vielen weiteren Klinikaufenthalten und Rehamaßnahmen lernte ich mit den Zuckungen umzugehen und nahm meinen Beruf wieder auf.

Dort erlitt ich einen Rückschlag, wechselte den Job und bekam erneut einen Rückschlag. Ich hörte plötzlich Stimmen, die beinahe dafür gesorgt hätten, das ich nicht mehr da wäre. Ich ging zum Arzt und verlor wieder meinen Job.

Die Stimmen hörten nicht auf, optische Halluzinationen kamen hinzu. Im April letztes Jahres bekam ich plötzlich Flashbackattacken (ich sah plötzlich Bilder und negative Situationen aus der Kindheit), sowie kurze Dissoziationen (Aussetzer, ich bekomme dabei einen starren Blick und nehme die Umwelt kaum wahr). Die Diagnose: posttraumatische Belastungsstörung.

Ich entschied mich für eine stationäre Therapie. Meine Dissoziationen verstärkten sich. 30 Aussetzer am Tag waren nichts. Ich war sehr eingeschränkt und konnte nicht mehr alleine aus dem Haus gehen. Zwangsgedanken kamen hinzu, sowie Selbstmordgedanken.

So kam es, das ich letztes Jahr mehrmals auf der geschlossenen Psychiatrie landete.

Ich kämpfte weiter und suchte nach einer speziellen Klinik, die sich mit Traumata auskennt.

Dieses Jahr in April war es dann soweit. Zum ersten Mal fühlte ich mich in einer Klinik gut aufgehoben.

Dort lernte ich mit meinen Dissoziationen und Flashbackattaken umzugehen. Anfangs hatte ich sehr starke Flashbacks und fühlte mich überfordert. An einem Abend fand ich dann Trost in Süßigkeiten. Ich aß soviel, bis mir schlecht wurde. Ich musste zur Toilette und hatte starken Würgereiz. Da nichts raus kam, half ich nach und steckte mir den Finger in den Hals. Dies verunsicherte mich und ich suchte am nächsten Morgen mit der Ärztin das Gespräch auf.

In der Vergangenheit habe ich dies selten gemacht, aber es kam ab und an vor. Sie meinte zu mir, dass ich aufpassen muss, damit sich diese Situation nicht wiederholt.

Es passierte mir aber immer wieder. Ich führte Essprotokolle und ich sorgte immer dafür, dass ich genug Vorrat an Süßigkeiten hatte. In der Klinik lernte ich, wieder alleine nach draußen und einkaufen zu gehen. Ich entwickelte sogar einen Kaufzwang.

Meine Essanfälle nahmen zu. Anfangs erbrach ich nicht immer. Aber es nahm zu. Sie erklärten mir, das ich unter einer Symptomverschiebung litt. Mein Körper suchte sich unbewusst etwas Neues, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ich erbrach mittlerweile mindestens 3 Mal in der Woche. Nach 8 Wochen wurde ich entlassen und die Traumatherapie konnte aufgrund der dazugekommenen Essstörung nicht stattfinden. Sie empfahlen mir eine Tagesklinik und weitere ambulante Therapie, um die Essstörung zu behandeln.

Zu der Essstörung hin wurde bei mir noch das Tourette Syndrom und Borderline diagnostiziert.

Seit über 3 Monaten bin ich wieder zu Hause. Mittlerweile erbreche ich 2 bis 3 mal in der Woche, meistens Morgens.

Oft hängt es bei mir damit zusammen, dass ich Intrusionen entwickle und Stimmen höre und ich dann esse, um zu hoffen das es dadurch aufhört. Dann bereue ich es und zwinge mich zum Erbrechen.

Durch die Medikamente hab ich in den letzten Monaten zugenommen und fühle mich unwohl mit meinem Körper.

Seit einer Woche bin ich in der Tagesklinik und hoffe, dass sie mir mit meiner Essstörung helfen können, sodass ich nächstes Jahr mit der Traumatherapie beginnen kann.

Eins muss ich noch erwähnen.

Ich hab tolle Menschen an meiner Seite, ganz besonders meinen Mann. Wir haben letztes Jahr geheiratet. Ohne ihn hätte ich die Hoffnung schon aufgegeben. Es ist ganz wichtig Personen um sich herum zu haben, denen man vertraut und die einen gut tun. Während meiner Erkrankung habe ich gemerkt, wer die wahren Freunde sind!

Ich hoffe dir geht es gut.

Liebe Grüße

Franzi

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