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Der Einstieg in die Magersucht über eine Diät

„Die ist voll fett.“, sagte eine aus meiner Parallelklasse hinter meinem Rücken. Dabei war ich gar nicht fett. Trotzdem wollte ich abnehmen und startete mit einer Diät. Dass ich dadurch in einen Teufelskreis aus Einsamkeit und Klinik geriet, bemerkte ich erst als es viel zu spät war.

Es war ein Tag wie jeder andere. Ich saß mit meine Mädels auf den Holzbänken direkt auf dem großen Pausenhof und wir aßen unsere Käselaugenstangen. Die große Pause vor einer Doppelstunde Mathe. Meine Laune war schon schlecht genug.

„Dir scheint es ja zu schmecken.“, sagte Hannah zu mir.

„Naja, Käselaugenstange halt.“, antwortete ich.

„Nein weil du es so runter schlingst!“, lachte Hannah.

„Hä, ich ess doch ganz normal.“

„Sarah meinte du bist voll fett. Wenn ich jetzt anschaue, wie du frisst, wundert mich das nicht. Pummelchen.“

„Ich bin doch nicht fett.“

„Jaja Pummelchen.“, lachte Hannah und alle lachten mit.

Ihr Lachen ging im Klingen der Pausenglocke unter. Keine Zeit, um diese Lüge aus der Welt zu schaffen.

Klar, ich hatte einen kleinen Ansatz am Bauch aber den hat doch jeder!

Was andere über mich denken, ist mir wichtig.

Was andere über mich dachten, war mir zu wichtig

Anstatt darüber hinwegzusehen und zu hören, machte ich mir die gesamte Mathestunde über Gedanken über mein Gewicht.

Als ich zu Hause angekommen bin, konnte ich es immer noch nicht fassen und dachte mir, jetzt muss ich etwas dagegen unternehmen.

Schnell war Runtastic heruntergeladen. Mit Joggen und Ausdauer nimmt man ja am schnellsten ab. Auf Instagram folge ich auch ein paar Läuferinnen, die für ihre Bilder tausende Likes bekommen. So will ich aussehen.

Die Diät ging los. Jeden zweiten Tag Joggen gehen, mittags Salat essen, nach 18 Uhr keine Kohlehydrate mehr und ja keine Süßigkeiten.

Innerhalb von ein paar Wochen nahm ich ein paar Kilogramm ab. Denn wenn ich doch mal rückfällig wurde und mir ein Kinder Country aus dem Kühlschrank klaute, lief ich am Tag danach einfach 10 Minuten länger.

Endlich habe ich abgenommen.

Der erste Erfolg setzt ein.

Mir ging es super. Durch den Sport und die gesunde Ernährung und weniger Zucker war ich viel fitter, ausgeglichener und auch motivierter.

Ich fühlte mich einfach gut.

Doch das Problem war: die Leute waren nicht netter zu mir. Ich hatte keine neuen Freunde, wurde nicht auf mehr Partys eingeladen oder sonst irgendwas. Mein Leben war genau das gleiche, nur dass ich dünner war.

Nach zwei Wochen war ich dann an dem gleichen Punkt angekommen, an dem ich davor auch schon war: Ich war unzufrieden mit mir und meinem Körper.

Doch da ich eine Kämpfernatur bin, gab ich nicht auf.

Es musste einfach eine noch härtere Diät herhalten.

Das bedeutete: noch weniger Essen und ganz klare feste Mahlzeiten um feste Uhrzeiten.


Denn wenn man einmal abgenommen hat, wird es immer schwieriger, die neuen Kilogramme purzeln zu lassen.

Nach ein paar Wochen konnte ich nun schon ganz klar meine Knochen sehen. Die Diät zahlte sich aus. Jeden Tag wog ich mich mehrmals um meinen Erfolg zu beobachten.

Nun hätte ich die glücklichste Person auf der Welt sein sollen.

Doch es kam ganz anders.

Plötzlich will ich nicht mehr magersüchtig sein.

Der Wendepunkt, als der Teufelskreis begann.

Es wurde nicht besser. Es wurde alles viel schlimmer.

Ich wollte nicht, dass sich jemand Gedanken über mich macht oder über mein Essverhalten. Darum habe ich mich von den anderen ein wenig abgegrenzt.

Kein gemeinsames Mittagessen, weniger Partys und Geburstagsfeiern. Ich wollte mich nicht den Situationen aussetzen, bei denen ich etwas essen musste. Also blieb ich zu Hause und verkroch mich in mein Bett.

Als ich dann irgendwann ständig müde war und auch wenig Kraft hatte, bemerkte ich erst, in was ich mich hineingeritten habe. Plötzlich merkte ich, dass ich ein wirkliches Problem hatte, das ich alleine nicht mehr lösen konnte.

Ich war magersüchtig.

Es ist genau das Gegenteil davon passiert, was ich eigentlich wollte.

Zuletzt möchte ich noch betonen, dass extremes Übergewicht auch gesundheitsschädigend ist und eine gesunde Ernährung kombiniert mit Sport etwas gutes sind.

Doch sobald es extrem wird, wird es ungesund.

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Alles liebe,

deine Julia

julia.w@jourvie.com

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