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„Du hast doch nur eine Essstörung“ Teil 1.

Gastbeitrag zum Thema: Mangelndes Verständnis für Essstörungen

Hallo meine Lieben!

Heute habe ich (Maída vom Jourvie-Team) die Ehre euch unsere erste Gastbloggerin vorzustellen! Sie möchte anonym bleiben, weshalb ich sie einfach mal Claire nennen werde. Wir sind ganz zufällig auf Claire gestoßen, weil sie immer tolle Beiträge auf ihrem Social Media Kanal postet. Wir waren so beeindruckt von ihrer Ehrlichkeit und ihrem kreativen Schreibstil, dass wir sie kontaktiert haben. Aber lasst euch nicht einschüchtern ;) wir freuen uns über jeden and neuen Gastblogger und natürlich könnt ihr dabei genauso anonym bleiben! Meldet euch einfach unter hello@jourvie.com oder bei einer unserer Bloggerinnen Sarah oder Julia.

Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei Claires Beitrag! Ich bin mir sicher, dass ihr ihn genauso interessant finden werdet wie wir!

„Du hast doch nur eine Essstörung“ 

Diesen Satz musste ich schon so oft von meinen Eltern hören, dass ich inzwischen selbst öfter am Zweifeln bin, ob ich im Grunde nicht einfach nur ein etwas seltsames Essverhalten habe.

Aber bevor ich näher darauf eingehe, was für mich persönlich das Essen bedeutet und wie viel mehr dahinter steckt, möchte ich euch erzählen, wie bei mir der Weg in die Essstörung begann.

Bis zur 7. Klasse habe ich niemals über meine Figur nachgedacht oder mir überlegt, wie viel ich wovon esse. Ich war einfach ein super schlankes Kind und wurde damals sogar von einigen als magersüchtig betitelt, dabei aß ich wirklich so viel und was ich wollte. Als dann jedoch in der Pubertät sich so einiges an meinem Körper zu ändern begann, fing ich mir langsam an Gedanken über meinen Körper und mein Gewicht zu machen.

Meine Freundinnen waren alle viel schlanker und ich fühlte mich einfach nicht wohl. Somit begann ich mit 13 Jahren meine erste Diät. Damals war mein Verhältnis zum Essen allerdings im Vergleich zu heute weitaus weniger gestört. Ich zählte keine Kalorien, sondern verzichtete lediglich auf Zwischenmahlzeiten und Süßigkeiten und aß abends keine Kohlenhydrate mehr. Ich nahm auch tatsächlich einiges ab, was auch den anderen auffiel. Ich hätte eigentlich zufrieden sein können. Aber ich war es nicht.

Schon damals merkte ich, dass irgendetwas so gar nicht stimmte. Ich konnte es mir nicht mehr vorstellen wieder ohne schlechtes Gewissen zu essen, was ich wirklich wollte und vor allem hatte ich panische Angst wieder zuzunehmen. Und damit begann der Teufelskreis erst so richtig.

Viele behaupten ja, dass eine Diät oftmals zu einer Essstörung führt. Aber nicht alle, die eine Diät machen werden automatisch essgestört. Natürlich war eine Diät bei den meisten Essgestörten der Anfang, aber bei Essgestörten liegen die wirklichen Ursachen so viel tiefer und diese bringen durch ihre Essstörung erst ihr wirkliches Leiden, welches sie schon lange Zeit mit sich herum tragen zu Tage.

Ich zum Beispiel war noch nie wirklich selbstbewusst, ich traute mich Vieles nicht, war überzeugt davon -im Bezug auf mein Äußeres und mein Verhalten- nicht gut genug zu sein und fand mich auch viel zu hässlich um jemals einen Jungen abzukriegen. Dazu fühlte ich mich in meiner Klasse sehr unwohl. Ich war lange Zeit ziemlich gut in der Schule, was den Meisten aus diversen Gründen nicht passte. Ich wurde niemals wirklich gemobbt, aber natürlich merkte ich die abwertenden Blicke und das Getuschel meiner Mitschüler hinter meinem Rücken. Außerdem kann ich mich noch gut an eine Situation erinnern, als die Jungs in meiner Klasse ein „Ranking“ machten, welches Mädchen das Schönste sei. Außerdem gab es auch eine Liste der Hässlichsten, bei denen ich den ersten Platz belegte.

Zeitgleich war es auch zu Hause sehr schwierig. Meine Eltern entschieden, als ich in der 7. Klasse war, sich zu trennen, sodass für mich eine Welt zusammenbrach. Nach einem Jahr „Beziehungspause“ kam mein Vater allerdings wieder zurück und es hatte den Anschein, als ob wieder alles gut wäre. Meiner Familie war es übrigens schon immer wichtig nach außen hin das Bild des „perfekten Familienlebens“ zu präsentieren, sodass auch niemand in unserem Umfeld überhaupt über die Ehekrise meiner Eltern Bescheid wusste. Heute glaube ich, dass dieses „es ist wieder alles gut“ nicht echt war und auch immer noch nicht echt ist. Tief in meinem Inneren wusste ich, dass es niemals mehr so wie früher sein würde. Meine heile beschützte Welt hatte einen Riss bekommen.

Mein Essverhalten wurde nun immer gestörter. Es gab einen Sommer in dem ich monatelang nur 500-800 Kilokalorien aß. Ich war körperlich so geschwächt, dass ich froh war, wenn ich nach der Schule einfach nur noch schlafen konnte. Ich nahm in dieser Zeit mehr als 15 Kilo ab und stand an der Grenze zum Untergewicht. Trotzdem bemerkte niemand so richtig wie es um mich stand. Natürlich sahen meine Eltern wie wenig ich aß, aber schon damals taten sie das als „Phase“ ab, aus der ich sicher sowieso bald wieder herauskäme. Und irgendwann fingen schließlich die Fressanfälle an. Zuerst nur immer am Wochenende. Ich plante genau, was ich an diesem Tag essen wollte und träumte schon Tage davor, was ich mir an diesem einen Tag kaufen wollte. Am Abend eines solchen „Fresstages“ ging es mir allerdings sowohl körperlich wie auch psychisch extrem schlecht. Mich plagte mein schlechtes Gewissen und das Gefühl versagt zu haben. Ich musste um alles in der Welt an den darauffolgenden Tagen wieder strengste Diät halten. Von da an bestand mein Leben eigentlich nur noch aus einem Wechsel aus Fressen und Hungern. Die Fressanfälle wurden immer häufiger und verselbstständigten sich, sodass ich trotz aller Bemühungen mein Gewicht zu halten, einiges zunahm, was mich immer depressiver werden ließ. Ich versuchte mit allen Mitteln dagegen anzukommen: Ich machte so viel Sport wie möglich, nahm Abführmittel-die bei mir extremste Übelkeit zur Folge hatten-, versuchte dazwischen immer wieder zu hungern und übergab mich einige Male sogar.

So, das wars mit Teil 1, Teil 2 folgt nächsten Dienstag! Ihr seid bestimmt genauso gespannt drauf, wie wir es waren :). Und an dieser Stelle, noch ein riesen großes Dankeschön an unsere tolle Gastbloggerin "Claire". Du bist spitze und wir freuen uns super darüber, dass das so toll geklappt hat!

 

Liebste Grüße,

 

Maída von Jourvie

 

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