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DICK

Wurdet ihr auch schonmal so genannt?

Lasst uns doch mal über dieses Wort reden:

Dick, alias fett, kräftig, pummelig, rundlich, wohlbeleibt, speckig, prall, unförmig, teigig, klotzig, ausgedehnt, weiblich, kugelig, breit, pausbäckig, korpulent, füllig.

Wer hier wurde schonmal mit einem dieser Wörter beschrieben? Ich bin mir ziemlich sicher, dass gerade jede Frau, jedes Mädchen welches diesen Artikel liest denkt "japp ich in der 3. Klasse" oder sowas ähnliches.

Wir kennen alle dieses Gefühl, diese heiße, aufwallende Scham, die unseren ganzen Körper, wie ein giftiger Rauch durchfließt, wenn wir dick genannt werden.

Vielleicht war es ein Fremder, der zu viel Wut in sich trug und diese an dir von der anderen Straßenseite aus auslassen wollte.

Vielleicht ist es die Tante, die immer ein wenig an euch rumnörgelt und dir sagt, dass du doch so viel hübscher wärst, wenn du doch ein wenig abnehmen würdest.

Vielleicht war es aber auch ein online Troll, der es nicht lassen konnte, von seinem sicheren Plätzchen am PC, unter deine Instagram-Bilder zu kommentieren, dass du aussiehst wie ein gestrandeter Wal (ja so Menschen gibt es!!!).

Vielleicht ist es aber auch eine so genannte Freundin, die sich gerne mit dir vor den Spiegel stellt, um zu vergleichen wer dickere Beine hat, obwohl sie schon ganz genau weiß, dass sie es ist.

Ladies, wir sind alle schonmal mit Body Shaming in Kontakt gekommen. Doch tatsächlich das wort dick oder fett mit einem assoziiert zu bekommen, tut am meisten weh.

Ich kann mich dabei an mehrere Situationen erinnern. Ich weiß noch, wie ich in der 9. Klasse bei einer Freundin zu Besuch war und ihren kleinen Bruder kennenlernte, der im gleichen Jahrgang, wie meine Schwester war. Als ich ihn fragte, ob er sie kenne antwortete er: „Ah, ist das die dickere mit den Sommersprossen?“

Hier ein Bild von meiner Schwester. Findet ihr sie dick? Gar nicht oder?

Der 15-jährigen Sarah blieb erstmal die Spucke weg. Ich weiß noch ganz genau, wie es mir ernsthaft peinlich war, dass dieser kleine Junge meine Schwester dick nannte und anstatt ihn zu korrigieren und ihn zu fragen, was denn bitte an ihr dick sei murmelte ich nur peinlich berührt und halblaut: „Sie ist doch voll nicht dick.“

Schon absurd wie viel Macht ein so kleines Wort haben kann. Und sogar heute, als ausgewachsene Frau ergeht es mir manchmal nicht anders. Letztens war ich mit Freunden im Urlaub. Ich weiß ja nicht, wie ihr so seid, wenn ihr in Urlaub fahrt, aber ich muss immer ALLES probieren und am besten gleich am ersten Tag. Ich esse generell auch sehr gerne. Auch gerne mal zu viel ;).

Wir waren also auf einem Markt und ich holte mir vor lauter Essens-Begeisterung viel zu viel. Als wir dann alle zusammentrafen und uns hinsetzten musste ein Freund lachen, er schaute auf meinen Haufen und sagte: „Ey, du isst schon echt viel Sarah.“ Wuuuuuush, das ohnmächtige Gefühl der Peinlichkeit überkam mich. Ich wusste gar nicht, wo ich hingucken sollte. Ok, er hatte nicht gesagt: „Du bist dick“. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass er es nicht böse gemeint hat, aber in dem Moment fühlte ich mich einfach wie ein kleines Mädchen, peinlich berührt, lief rot an und murmelte: „Stimmt doch gar nicht, ist doch nur heute so...“ während meine Stimme dabei immer leiser wurde.

Es ist auch echt verrückt, wie bewusst wir uns darüber sind, wie dünn/ dick/ muskulös wir im Vergleich zu den Leuten sind, mit denen wir gerade im selben Raum sind. Wisst ihr was ich meine? Vor 3 Wochen war ich bei einem AcroYoga-Kurs.

<< Kurze Begriffserklärung: AcroYoga hat weniger etwas Yoga zu tun als mit Akrobatik. Das habt ihr bestimmt mal im Park oder im Urlaub gesehen. Meistens sind es zwei Menschen die lustige Yoga-ähnliche Figuren zusammen machen.“>>
 

Hier ein AcroYoga-Video:

Ich hatte mich schon super drauf gefreut, weil ich es im Urlaub ausprobiert hatte und mega Spaß dran hatte. Im Urlaub wurde ich von einer mini kleinen Vietnamesin hochgestemmt. Beim AcroYoga kommt es eher auf Technik an als auf Kraft und Größe.

Als ich ankam schaute ich mich um und wurde mir sofort bewusst, dass ich von den Mädchen auf jeden Fall die „Dickste“ war auch wenn ich komplettes Normalgewicht habe, aber es hatten sich wohl nur kleine, dünne Mädels hin getraut. Ansonsten war noch ein Typ da, der auch ziemlich groß war. Als wir dann AcroYoga-Partner auswählen sollten drehten sich die kleinen dünnen Mädels sofort zueinander, so dass ich mir gar keine andere Wahl blieb, als mit dem Typen zu machen.

Er erzählte, dass er noch nie AcroYoga gemacht hatte und ich selber war ja auch noch ziemlich unerfahren. Also probierten wir es. Wie gesagt, AcroYoga hat mehr mit Technik zu tun als mit Kraft und selbstverständlich hat man die Technik noch gar nicht drauf, wenn man anfängt. Anstatt es aber so zu sehen und es einfach zu versuchen und mit Spaß zu scheitern machte der gut Mann folgendes: Er versuchte mich „fliegen“ zu lassen, hatte dabei den Winkel seiner Beine nicht ganz richtig, somit klappten seine Beine zusammen und wir fielen wie ein Kartenhäufchen zusammen.

Aber so ist das eben, wenn man eine neue Sportart oder generell neue Dinge macht, man fällt ein paar Mal bis man es kann. Er fühlte sich aber in dem Moment in seiner Männlichkeit angegriffen, weil er wohl dachte wir dächten er sei nicht „stark genug“ um mich zu tragen und anstatt die Technik noch etwas zu verfeinern und mit der Trainerin zu schauen, wo die Fehler liegen sagte er den kleinen Satz, der mir eigentlich total egal hätte sein können, der mich aber mitten im Herz traf:

„Du bist ganz schön schwer.“

BAM – Autsch, was genau hätte ich erwidern sollen?

„Stimmt doch gar nicht! Hör auf deine Unsicherheit wie ein kleines Kind auf mich abzuwälzen und mich dumm dastehen zu lassen!“ Das hätte die Situation wohl ziemlich „awkward“ gemacht. Und wieder, obwohl mir sowas in der Art im Leben nun echt schon oft genug widerfahren war und ich als erwachsene, halbwegs selbstbewusste Frau eigentlich etwas erwidern hätte können. Doch auch hier sagte ich mal wieder nichts. Warum? Weil es mir peinlich war und weil ich auf gar keinen Fall wollte, dass die anderen auch noch hören sollten, dass er mich „ganz schön schwer“ genannt hatte.

Warum ist uns das so peinlich? Sonst habe ich kein Problem damit mich zu verteidigen und zu sagen, was mich nervt aber bei diesem Thema werde ich ganz kleinlaut. Und ich weiß vielen von euch, wenn nicht sogar allen, geht es auch so!

Warum wir so reagieren und wie wir unsere Einstellung zum Thema „Du bist dick“ verändern, bekommt ihr in zwei Wochen zu lesen! In der Zwischenzeit seid ihr gefragt! Schreibt uns dich, gerne auch anonym eure Geschichten zu diesem Thema. Wann wurdet ihr mal dick genannt? Wie habt ihr euch dabei gefühlt? Wie kam die Situation zu stande? Schreibt mir einfach unter sarah.m@jourvie.com und erzählt mir davon!

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Bis in zwei Wochen :-*

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